Johanna oder so ähnlich./Love Will Tear Us Apart
April 8, 2009
Johanna hat immer gesagt, sie wartet auf mich.
Ich kann mich noch genau daran erinnern.
An unser letztes Wiedersehen, vor etwas mehr als einem halben Jahr.
In der Nacht vor unserem Treffen konnte ich nicht schlafen, Ewigkeiten wälzte ich mich in meinem Bett, las ein paar Seiten, konnte mich nicht konzentrieren und verwarf den Versuch. Als das Licht des neuen, anbrechenden Morgens das künstliche Licht meiner Lampe überflüssig machte schlief ich letztendlich doch noch einen kurzen unruhigen Schlaf.
Verschwitzt lag ich nach dem Erwachen in meinem Bett, die Strahlen der morgendlichen Sonne, die es durch mein kleines Fenster schafften, wärmten mich und mir schien es, als dachte ich das erste mal an sie.
„Um Zehn Uhr am Fischtorplatz.“ hat sie gesagt. „Und sei pünktlich!“
Nach einem Glas Milch brach ich auf. Hinaus in die Welt, zu ihr.
Ich erinnere mich noch an jeden Geruch, jedes Gesicht auf unserem Weg, jedes Bild, am stärksten erinnere ich mich jedoch an Johannas Gesichtsausdruck, als sie mich um die Ecke biegen sah. Sie sah so erstaunt aus. Neugierig und freundlich, gewiss aber auch ängstlich.
Wir umarmten und zögerlich, ich roch den vertrauten Geruch ihrer Haare, verbot mir aber darin zu versinken, und erblickte dankbar, wie über ihrer Schulter eine Ampel auf Grün schaltete.
Ich glaube wir gingen etwas weiter in Richtung Stadtmitte, das heißt, Sie ging vor, ich zog hinterher, die meiste Zeit an ihrer Hand, die meine fest umschloss. Wie wir so durch die Gassen liefen, und ich betete keinem Bekannten über den Weg zu laufen, kam ich mir wie ein Tourist vor. In der eigenen Stadt. Nach einer Weile kramte Johanna einen Fotoapparat hervor und ging, trotz meiner Widerworte auf einen nahestehenden Mann zu, um ihn zu bitten, ein Foto von uns zu machen. Sie machte auch einige Aufnahmen von mir, bat mich jedoch nie, sie vor irgendwelchen Sehenswürdigkeiten zu fotografieren. Eine Weile achtete ich besonders auf die Fassaden der Häuser und entdeckte mir bisher nie aufgefallene Verzierungen, allein, um die bohrenden Blicken meiner Begleiterin nicht konstant zu kreuzen.
Die Hitze des Mittags legte sich schwer über uns, für einen Septembertag war es noch viel zu warm, und wir kehrten in eine der zahlreichen Weinstuben ein, um eine Kleinigkeit zu essen. Über unsere Teller gebeugt vergaßen wir, zum Schein, die Unterhaltung, man konnte ihr ansehen, dass sie nachdachte. Ich konnte ihr schon immer direkt ansehen, wenn sie dachte, und zwangsläufig musste ich mein Denken unterbrechen, um zu überlegen, ob mein Gesicht meine Gedanken verriet.
Ich war nie leicht durchschaubar, aber etwas an Johannas Blick hatte mich immer erschaudern lassen, als könne sie bis auf meinen Grund blicken. Ich kehrte zurück, zu alten Tagen, scheinbar besseren Tagen, besuchte längst umgegrabene Plätze, hing Gedanken an eine längst gelebte Zukunft nach und fühlte nichts als Reue. Ich erinnerte mich an einen vergangenen Frühling, wir brachen auf in die Berge, sie hatte diesen Ausflug längere Zeit geplant, doch nach unserer Ankunft wollte ich das Hotel kaum verlassen, während sie ständig neue Ausflugsziele vorschlug, und wir stritten uns fürchterlich.
Mir wurde klar, dass, obwohl sie mich nur einmal vorher hier besucht hatte, und ich beinahe jede Woche zu ihr fuhr, sie sich mehr auf mich eingelassen hatte, als ich mich auf sie. Johanna muss es damals schon gewusst haben.
Wir beschlossen, uns als nächstes an den Fluss zu setzen, die Sonne schien mittlerweile weniger heftig , nach einem kurzen Spaziergang fanden wir eine Bank direkt am Ufer und setzen uns, beide in unseren Gedanken versunken.
Ich erinnere mich, wie gekränkt ich damals war, als ich ihr sagte, ich wolle sie heiraten, und sie nur lachte und sagte, dass sich das nicht lohnen würde. Wie wütend mich mein Unverständnis machte, warum sie nicht zu mir ziehen wollte. Heute kann ich nicht mehr sagen, ob meine Reaktionen Liebe oder Stolz geschuldet waren.
Nach einer Zeit nahm sie meine Hand. Ganz behutsam und schüchtern, so als wäre ich ihre große Liebe.
Mich überkam eine solche Traurigkeit, dass ich augenblicklich zu weinen begann. Sie drückte meine Hand fester, ganz so, als fühlte sie meine Gefühle bevor ich es tat. Ich holte Luft, brach ab, atmete ein, wollte mich entschuldigen, sie unterbrach mich.
„Es ist nicht schlimm, dich trifft keine Schuld. Du konntest ja nichts wissen. Ich wollte nicht, dass du etwas weißt.“
Die Sonne war schon hinter den Bäumen versunken, ehe wir aufstanden und zum Bahnhof spazierten. Ich fragte sie „Wie lange noch?“ Sie sagte „Zwei Monate, maximal.“ Ihre Hand löste sich von meiner, und sie stieg in den Zug, der mich Jahrelang zu ihr transportiert hatte, drehte sich um, lächelte und sagte vom zischen der Türen fast übertönt:
„Ich warte auf dich!“
III
Juli 29, 2008
but as the molecules decay
a silent whisper leads me to betray
the chemicals with potions thereof
and from beneath my chest, my soul takes off
and if I were not born from this
never crossed out on Azrael’s list
all forgotten, all those are named
with mournful tempers never tamed
those are the souls molesting me
reading my sins, won’t let me see
the beauty of my life again because in them my end shall still remain
Fractionary #2
Juli 29, 2008
Listen up! This here I tell you,
we are none more than carbon and chemical
only love betrayed us with our fears,so dismal,
that there’s nothing to come
when our sun stops to hum
in our hearts we’re afraid of the dead
that greed for our lives from the dephts of hades
in our heads where ideas are bred
that defy and disprove the intellects of decades
not only we withdrew evolution
apotheosis still is a daring solution
we hold ourselves bigger than we actually are
should calm down and rest it before we take it too far
Fractionary
Juli 29, 2008
And while I sat and wondered why
A Blackbird’s ghost took to the sky
my every breath out of my soul
and from my lips he drew it all.
For winds shall never kiss his wings
whilst songs of death he mournful sings
while I sit and wonder why, Blackbird’s ghost, don’t kiss good-bye.
Gedankenexperimente und grünere Wiesen
Juli 29, 2008
Ernüchterung setzt Rausch vorraus,
mit katerschwerem Kopf,
steh ich vor deinem kranken Haus
und häng an deinem Tropf
ein seid’ner Faden trennt mich nur
ein seid’ner hält mich fest,
am besten lässt man etwas ziehen,
wenn man es ziehen lässt.
Dass es einmal so weit kommt,
ich glaub es war nicht meine Schuld.
Doch was ist schon Glauben,
wenn nicht das warten auf Geduld?
Auswegslose Reden, auf längst ausgetretenen Wegen,
und mit festgebundenen Händen auf eingerissnen Wänden,
schreib ich es:
ob es bald mal besser wird, oder ob es sonst was wird,
es,
wird sich zeigen mit der Zeit, falls die Zeit sich zeigen wird.
Altona
Juli 29, 2008
Man sagt noch “warte!” oder vielleicht “bleib doch stehen!” aber die Worte verhallen ungehört in den Weiten der Bahnhofshalle.
Dabei hat doch Alles so gut angefangen.
Zwei Tassen Espresso “na, sag doch”, ein Croissant und noch einen Saft, um die Croissant-Matsche aus dem Gebiss zu spülen.
“es…” …wird vorallem viel gestammelt.-
“ja, was, es?”
neuneurodreißig.zehneurostimmtso.
“na?!”
für ein Frühstück zu teuer, aber das hier ist Krieg, also: billig.
Ganz schön billig. Alles hier. Ausflüchte.
“Na, jetzt sag schon” stammeln, und “wo rennst du denn so eilig hin” hinterherwürgen.
unkonzentriert wird hier an dem Antlitz vorbeigeschielt, die Gedanken schon da, die Züge erst auf dem Weg.
In der Ferne, “dann, äh, sind sie ja ganz in der Nähe meiner…”sagen.
“WAS?!”
Ja, äh, ach nix, aber sag du doch mal, wo rennst du hin? war doch voll ok, oder nicht?
“Ja, ach, ich weiß ja auch nicht, hat mir eben ein bisschen Angst gemacht.”
Und genau jetzt, der Wunsch in einem der Züge zu sitzen, der gerade losrollt. Ächzen.
‘Hinfort, in das ferne und exotische Land deiner Gedanken, ohne Wörterbuch, aber vielleicht find ich unterwegs meine eigenen wieder.’
“Aber was denn? Angst? Wovor?”
diefahrscheinebitte, und direkt wieder die Kühle des massiven Bahnsteiggranits im Gesicht.
“Ach, alles. Ich find wir kennen uns halt nicht lang genug für sowas!”
DAS, meine Liebe, war es dann,
10 Minuten Small-Talk im Bordcafé des ICE Konrad Roentgen sind halt keine Basis.
Test bestanden.
“Willst du mich heiraten?!”
Das Drama des P.Schmidt II
Juli 29, 2008
Rosi
“Verdammte scheiße, kein Bock!” Aufgebracht, frustriert, wie auch immer, Rosi stand vorm Spiegel im Klo der Bahnhofskneipe und schrie sich förmlich selbst an. “Kein Bock auf den Arsch und dies dreckige Kaff, warum muss der auch son kack Hotel kaufen, mitten im Nirgendwo? Na gut, sind ja aber auch nur kleine Formalitäten, aber trotzdem, ich will nücht!”
Schrecklich, wenn man seine Familie nicht ausstehen kann, man feststellen muss, dass seine nächsten Verwandten eine Gruppen Menschen sind, denen man gerne aus dem Weg geht, Leute, bei denen man aufstehen würde, säßen sie in der Bahn neben einem, notorische Versager, Volldeppen, Langhaarige, Lehrer, Postbeamte.
Nicht die Tatsache, dass die eigene Familie so schrecklich ist bereitet mir Sorgen, sondern, dass ich sie so oft sehen muss, scheiße!
Rosi verlässt nun die Kneipe, und stakst unbeholfen aus dem Bild. Die Kneipe und sie passen zusammen. Kaum zu glauben, dass sie kein Teil von ihr ist, zumindest sieht sie stark danach aus. Alt, gebraucht, verbraucht vielleicht, stumpf.
Wie gern wäre sie jetzt in Berlin, in ihrem Bezirk, ohne Familie, ohne Bindungen, in der Stadt der Gesichtslosen, in der alle Menschen zu einer einzigen Person verschmelzen. Im Brei der Nacht. Alle das selbe ausdruckslose Gesicht, aufgedruckt auf eine Hülle ohne Inhalt. Gefühle für andere haben Rosi schon immer schlecht gestanden, seit jeher hat sie sich als Einzelgängerin durchgeschlagen, hier und da mal eine kurze Beziehung gehabt, die ihr aber nie was bedeutet haben und schliesslich, ist sie hier, am Arsch, am Ende.
Vier
Immer wieder, zwei Tage, zwei Tage, keine Sorge, keine Plage, zwanzig Uhr.
“Scheiß auf die Tagesschau, scheiß auf die Welt” Lebt man doch ewig hinter einer Scheibe und versucht soviel wie möglich von dem Leben anderer zu sehen, erleben mag das falsche Wort sein, und vergisst man dabei nicht sich um sein eigenes Leben zu kümmern?
“Die Ganzen feigen Hunde, Pisser, klemmen sich hinter die glotze leben ihre voyeuristischen Aversionen aus, und keiner traut sich Sich einzugestehen, dass es ihn in Wahrheit keinen Dreck kümmert.” Herrn Schmidt war es heute jedenfalls komplett Wurst, ob in Hintertupfingen schon wieder einer in die Luft geflogen ist. Man bedenke an dieser Stelle, dass es Herr Schmidt auch egal wäre, würde er unmittelbar Explodieren, dieser Zustand kurz vor dem erreichen des Endes, seelische Insolvenz, breitete sich gerade in Paul Schmidts Torso aus. Ein dumpfes aber vehementes pochen.
Gegen neun Uhr hatte er sich schon ziemlich heftig beduselt, der Wein und der Korn hatten ihre Wirkung nicht verfehlt, er hatte sich übergeben müssen, und es war fast so als kotzte er sein ganzes Dasein in die Kloschüssel.
Als die Marktkirchenuhr vier Uhr anzeigte, und Herr Schmidt seine Wohnung verließ, mehr kriechend als aufrecht war kein Laut zu vernehmen, die ganze Stadt schien zu schlafen, und es kam Herrn Schmidt drastischer vor, wenn er alle wecken würde, der Gedanke sagte ihm zu.
Mit einem Lächeln im Gesicht kriecht er zu seinem Auto.
Das Drama des P.Schmidt
Juli 29, 2008
Eins
Zwei Tage, zwei Tage, und dann ist alles vorbei.
“Der Fuchs geht herum, der Fuchs geht herum!” Kein Tag vergeht, ohne dass Herr Schmidt, rüstig und Beamter bei der Post, an dieses Lied seiner Kindheit denkt.
Derfuchsgehtherum. Ein Fuchsbau. Einen anderen Namen findet Herr Schmidt nicht, für dieses Monster aus Stahl, welches ihm jeden Morgen Hallo sagt.
Ecke Schumanstrasse, Friesenplatz. Schon immer stand es da, dieses…Ding. Ein Koloss von einem Haufen. Nicht Selten war Herr Schmidt am Fenster gestanden und beobachtete den Fuchsbau.
Ein schönes Gebilde, dachte er, kein schönes Gebilde, so unförmig.
Wie ein Haufen Kacke, bloß welches Tier kann so hohe…? Ach Herr Schmidt dachte wieder eine Ecke zu weit. Aber wie konnte man auch nicht daran denken, schließlich lief Herr Schmidt jeden verdammten Tag daran vorbei. Werktags zur Arbeit, Samstags zum Markt, und Sonntags zur Kirche, Herr Schmidt war kein recht gläubiger Mensch,”ich genieße einfach die Luft in der Kirche” sagte er seinem Freund Hans immer, der daraufhin immer den Kopf schütteln musste.
“Die Luft, die Luft, was solln das, Weihrauch und billige Kekse, da kotz ich doch, Paul!” Doch Herr Schmidt dachte, dass ihm das egal sein konnte. Er kam ja auch nie aus seiner doofen Kneipe raus, der Hans, soll sich mal garnicht aufregen, is doch noch viel schlimmer, dieser Biergestank, und von den Kippen mal ganz zu schweigen.
Zwei
Hans, was wusste der schon, der konnte ja auch nicht viel mehr als hinterm Tresen stehen, Bier ausschenken, Aschenbecher ausleeren undsoweiter. Hans, der taugt ja zu nichts, dachte Paul, der würde es bei der Post nicht so weit bringen, nicht so weit wie ich es gebracht habe. Aber wie weit hast du es denn gebracht, Mensch?
Du lebst in deiner pissengen Zweiraumwohnung, machst jeden verdammten Tag das selbe, und du bist hast noch nichtmal einen richtigen Dienstgrad. Aber Briefe sortieren ist ja wohl schwerer als ne Kneipe zu haben, denk ich mal. “Hastn schon was vor am Samstag?” Hans’ Frage schnitt sich durch seine Gedanken wie ein heißes Messer durch Butter. “Samstag! Eh, Paul, was isn, was machstn jetzt Samstag?” “Ooch, das Übliche, nichts Besonderes, aber warum fragst du, is doch erst Mittwoch, oder?” Dieses beschissene Rhetorische “oder?” hättest du dir jetzt auch sparen können, du bist bei der Post, wenn du nicht mehr weißt, welcher Tag heute ist, dann bist du verloren, dachte sich Herr Schmidt heimlich.
“Ach nur so, da kommt doch die eine aus Berlin her, diese Rosi oder so!” “Aha, eine Rosi aus Berlin kommt dann her? Is nich wahr, und wer zur Hölle ist diese Rosi? Kennt man die?!”
“Naja, die war doch schonmal da, ich dacht ja nur, die hat dir damals doch so gut gefallen, dachte ich, auf jeden fall kommtse halt hierher. Ne Woche. Wohnt im Hammer.”
Das Hammer, das war wohl das Schäbigste, Heruntergekommenste, Dreckloch von einem Hotel, in das Paul Schmidt jemals einen Fuß gesetzt hat. “Die kommt extra aus Berlin hier ins Hammer? Na dann Guten Abend. Die wird sich Freuen!”
“Ach Quatsch nicht. Der ihr Kosäng ist hat das doch vor nem Jahr übernommen, das is ne richtige Adresse jetzt. Das Hammer. Ne richtige Adresse.”
Wie er das sagt, “Ne richtige Adresse!” das klingt so… so unmöglich. Selbst wenn es jetzt eine “Richtige Adresse!” ist, dann ist es immernoch am Friesenplatz gelegen. Fast in seiner Straße, und von da hatte man ja den bekannten Blick auf den verfluchten Fuchsbau. “Also für mich wär das nichts!”
“ehrlich?”
Ehrlich!
Drei
Tags darauf, war Paul ausgeruht wie noch nie, ihm war die Lust vergangen, weshalb er früh schlafen gegangen war.
Während der Arbeitstag wie jeder Andere begann, seinen Verlauf nahm, und wie jeder Andere endete, brodelte in Paul Schmidt etwas auf. Fast schon wie etwas aufkeimendes, nicht zu sagen, dass es wie immer auch die Arbeit als einfacher Postbeamter war die ihn ankotzte, das ging eigentlich schon seit seinem ersten Tag so, nein,
vielmehr war da etwas, was in ihm Gestalt annahm, etwas was sich deformierte, er konnte es ganz genau spüren.
Lokalisieren oder gar benennen, das war ihm dennoch nicht möglich, wozu auch. Der Wandel der sich in ihm vollzog, war keiner freundlichen Natur, freundlich für ihn, mag sein.
Auf dem Nachhauseweg besorgte sich Herr Schmidt zwei Flaschen Wein und eine Flasche Korn, völlig grundlos für jeden aussenstehenden, doch Paul hatte einen Plan.
Lange schon, hat Herr Schmidt nichts mehr getrunken, zumindest keinen harten Alkohol, das Bier das es bei Hans gab war eh immer schal und deshalb schon fast kein Bier mehr.
Eigentlich, überlegte Paul, was hält mich denn noch bei diesem Versager? Das Bier, die Geistreichen Gespräche, die Witze?
Es ist immer mühsam, wenn man feststellen muss, dass einem eine Jacke nicht mehr passt, von der man immer dachte es wäre die beste, immer ist es schmerzhaft, wenn einem das Muster des damals so schicken Teppichs nicht mehr zusagt, oder man die Farbe einfach scheiße findet.
Manche Menschen, leben dann einfach mit dem Kompromiss, dass sie den Teppich eiskalt Ignorieren, Manche schämen sich und ziehen die Jacken nicht mehr an, wieder Andere sind zu keinem Kompromiss bereit, sie hassen, sie wollen nicht mehr, und deswegen bleibt ihnen keine andere Möglichkeit als den Teppich, die Jacken, oder all den anderen Haufen zu verbrennen, schreddern zu lassen, weg damit, ich will die nie wieder sehen müssen.
Herr Schmidt, Paul Schmidt, mittvierziger, sozial und gesellschaftlich unterste Mittelschicht, Postbeamter, ein Fluch, das Personifizierte Scheitern, gehörte zu den letzteren, und er hatte einen Plan, einen verdammt guten sogar.